Das eigene Riesenrad im Gepäck

Familie Landwermann ist ständig unterwegs / Das Haus sieht man nur selten / Auf dem Volksfest

Von unserer Mitarbeiterin Nadine Walzenbach

 

Bad Mergentheim. Eigentlich kommt Ludwig Landwermann (32) ja aus Nienburg an der Weser. Doch sein zu Hause sieht er nur selten, denn meistens ist er unterwegs. Unterwegs mit drei Lkws, einem Mannschaftswagen, einem Wohnwagen und einem Riesenrad im Gepäck.

In der dritten Generation betreibt die Familie seiner Frau nun schon das Geschäft mit den Riesenrädern. Seine eigene Familie verkauft bereits in der fünften Generation Süßwaren. "Schaustellerbetriebe sind immer Familienbetriebe", erklärt Ludwig Landwermann, der insgesamt zwei Riesenräder und einen fliegenden Teppich besitzt. "Wenn man das nicht alles familienintern machen würde, wäre das alles nicht möglich."

Denn hinter dem Geschäft steht eine riesengroße Logistik: Fünf große Fahrzeuge müssen jede Woche mindestens einmal den Standort wechseln. Das erste Mal sind sie jetzt hier in Bad Mergentheim. "Zuvor waren wir in Heilbronn, da bot sich Bad Mergentheim einfach an, wo jetzt von Freitag Abend bis einschließlich Montag Volksfest ist."

Denn immer muss man abwägen, wohin man fahren kann und welche Fart eher unrentabel ist. Der größte Feind des Geschäftes ist nämlich der Sprit. "Ohne geht es natürlich nicht", meint Ludwig Landwermann. "Aber so ein LKW mit so schwerer Ladung Ladung verbraucht auf 100 Kilometern mal eben 70 bis 80 Liter Sprit."

Dabei ist das moderne Riesenrad eigentlich Spritsparend. In nur drei Lkws wird es transportiert und auf eben diese Spezialsattelaufleger wird es auch aufgebaut. "Sie werden einfach aneinandergekoppelt", erklärt der Fachmann. "Darauf wird es dann aufgebaut. Wir brauchen also keine Packwagen, nichts. Es ist alles integriert." Und auch der Aufbau dieser modernen Anlage ist zeit- und kräftesparend. In nur vier Stunden kann es von ebenso vielen Männern zerlegt oder wieder aufgebaut werden. Man müsse nur wissen wo man zu stehen und wie man sich darauf zu bewegen habe. Die schweren Teile würden mit Seilzügen hochgehoben und oben einfach verbunden.

"An sich ist die Arbeit reine Gewöhnungssache", meint Landwermann. "Es ist nur manchmal schwierig wenn man Nachts lange offen hatte und frühs gleich wieder raus muss, denn die Geräte müssen ja auch alle wieder gewartet werden. Wenn ich 35-Stunden Woche höre, könnte ich nur noch lachen."

Insgesamt läuft das Geschäft der Familie recht gut. "Ich bin kein Träumer", stellt Landwermann klar. "Ich lebe nicht in den Tag hinein, ich will etwas schaffen." Auch wenn manche das Geschäft aus Überzeugung betreiben, Ludwig Landwermann macht es, um Geld zu verdienen. Würde das Fahrgeschäft nichts abwerfen, würde er ein anderes betreiben, oder sogar einen völlig neuen Beruf ergreifen.

Bei all der Arbeit darf die Familie natürlich nicht zu kurz kommen. Landwermanns Frau reist dabei natürlich immer mit, seine Tochter geht in Osnabrück auf ein Internat. "Am Wochenende und in den Ferien kommt sie dann zu uns in den Wohnwagen, in ihre gewohnte Umgebung."

Von Anfang März an tingelt die Familie von einem Jahrmarkt oder Volksfest zum Nächsten. Das geht so bis zum 23. Dezember jeden Jahres. "Um 20 Uhr ist dann immer Schluss, dann beginnt der Abbau", erklärt Ludwig Landwermann. "Am heiligen Abend sitzen wir dann nachmittags daheim unterm Tannenbaum."

Ihr "zu Hause", das Haus in Nienburg sieht die Familie außer in der Zeit zwischen Weihnachten und März nur zu wichtigen Terminen. "Aber wir haben sehr nette Nachbarn", schmunzelt Landwermann. "Die schicken uns dann immer die Post nach und passen auf das Haus auf. Ohne unsere Nachbarn wäre das alles nicht möglich." Auch seine Eltern schauen immer mal wieder dort nach dem Rechten. Zwar sind auch sie mit ihren Süßigkeiten meistens unterwegs, aber sie reisen eher in näherer Umgebung, sind also öfters im Haus. "Und wenn nicht, ist da ja immer noch mein Pitbull", grinst Ludwid Landwermann. "Der wird von den Nachbarn gut mitversorgt, der passt auf."

Sorgen dieser Art musste er sich bis jetzt allerdings noch nie machen, und auch sein Fahrgeschäft läuft gut. "Die Städte sind immer um ein Riesenrad bemüht, es ist eine Art Wahrzeichen, denn jeder will seine Stadt einmal von oben sehen. Wir sind eigentlich immer ausgebucht." Landwermann weiß aber auch, dass viele Geschäfte einfach saisonabhängig sind. "Im Sommer essen alle Eis, im Herbst wird eher eine Bratwurst gegessen", erklärt er. Doch dieses Jahr war es allgemein etwas schwerer. "Während der Fußball-WM war fünf Wochen lang so gut wie gar nichts los." Und auch die Hitzewelle trägt ihren Teil dazu bei, wenn die Kinder mittags lieber ins Freibad gehen und abens keine Lust mehr auf Rummel haben. Und das können viele Fahrgeschäfte oder Buden nicht verkraften. "Wenn man nicht aufpasst, geht man unter. Natürlich sind beispielsweise drei Euro für eine Fahrt viel Geld. Andererseits stehen hier mehrere Millionen Euro auf dem Platz, die gewartet und bewegt werden müssen." Dennoch ist die Lage nicht katastrophal. "Wir sind recht zufrieden", meint er. "Und ich denke, auch für die anderen hält es sich insgesamt im Mittel. Wichtig ist einfach, dass immer viele Leute kommen - hoffentlich auch auf das Bad Mergentheimer Volksfest am Wochenende."

© Fränkische Nachrichten - 27.07.2006